Dienstag, 21. März 2017

San Francisco

Vom Flughafen ging es mit einer Stadtbahn ins Zentrum von San Francisco. Es war ein Sonntag. Durch die Zeitverschiebung kam ich am selben Tag in San Francisco an wie ich Hong Kong verließ. Also ein Tag, den das Leben mir schenkte. Die Stadt war aber - verglichen mit den Menschenmassen in Hong Kong - gähnend leer. In der Stadtbahn-Station sprach ich einen Mann an, der mir mit dem Ticket half. Dann ging es mit der Bahn durch das Licht der tiefstehenden Sonntagnachmittagssonne ins Herz von San Francisco.


Ich wollte wirklich in das Hostel gehen, welches ich und der Flughafenmitarbeiter aus Japan am Flugplatz ausgesucht hatten: guter Preis und zentrale Lage. Als ich die Bahnstation verließ war die Stadt voller Leben. Überall Menschen, die das größte Wohnzimmer der Welt hatten: Hauslose, Homeless. Den dritten, der mich auf Geld oder Zigaretten ansprach, fragte ich, ob das dort eine gefährliche Gegend war?  Er sagte: bewege dich selbstbewusst, dann passiere nichts - und Wilkommen in den USA, als erster.

San Francisco ist die Stadt in den Staaten mit der höhsten Homelesspopulation. Viele waren normale Menschen, die irgendwann einmal aus dem Work-and-Pay-System herausgefallen waren. Viele ehemalige Soldaten, die sogar ein wenig Deutsch sprachen. Dann Rückkehr, Schulden und Frau weggelaufen und ihr Anwalt wollte Geld, hörte ich oft. Mittelklasse ist in den Staaten sehr nah an der Straße. Viele von ihnen, die ich sprach, beneideten mich um das Ticket aus den USA. Alles aber harmlose Gestalten. Die wirklich armen Menschen sind auf dieser Welt auch immer die mit am ehrlichsten.

Ich musste einige Blocks weiter zu dem Hostel laufen, an das Lied von Scott McKenzie dachte ich jetzt nicht mehr. Das Hostel war aber sehr freundlich und lebensfroh. Viele Leute scharrten sich um mich und ich übte meine Geschichte in Englisch zu erzählen. Da Jetlag drohte, blieb ich dort 3 Tage. Einmal schlief ich am Nachmittag tief und fest ein, obwohl ich das nicht wollte. Als ich die Augen wieder aufmachte, sah ich in die liebevoll, besorgten Gesichter meiner Zimmerkameraden. Ich hätte so tief geschlafen und geschnarcht. Ob ich Kaffee wollte? Die waren alle sehr lieb zu mir und früher oder später auf Facebook erfuhr ich, dass sie alle - ohne Ausnahme - gay waren.

San Francisco ist auch die Hauptstadt der Gays. Frauen lernte ich dort nicht kennen. Die Gesellschaft ist aber dort sehr progressiv. Man spricht diskriminierungsarm und jeder ist so angenommen, wie er ist. Geld ist aber auch dort, wie überall in den Staaten, sehr wichtig. Lustig war, daß man einfach so über die Strasse lief und alle Autos stoppten sanft, die Fahrer grüßten freundlich und fuhren dann langsam wieder an. Die Menschen waren netter und freundlicher als viele europaeische Klischees vermuten ließen.

Am ersten Tag in San Francisco war ich wegen dem Jetlag sehr müde. In Asien war beste Zeit des Abends und in Amerika Mittag. So war ich Mittags sehr müde und trank in Straßencaffees einen Eiskaffee nach dem anderen und sah den vielen Joggern zu. Wenn du am späten Morgen irgendwo sitzt und um dich ist eine Menge von Joggern, dann ist das die USA. Hast Du Geld fuer einen Kaffee, bist Du wahrscheinlich Tourist und wenn nicht, Homeless.

Die Nacht bot Gelegenheit Menschen kennen zu lernen. Häufig Gays, damit muss man klar kommen, wenn man nach San Francisco reist. Es waere die Hauptstadt der Schwulen, - wahrscheinlich von der ganzen Welt, sagte man mir häufiger.
Als es mit dem Jetlag besser wurde, entschied ich mich weiterzureisen. Da mir wirklich eine Menge von Leuten abgeraten hatten, Los Angeles zu besuchen, nahm ich einen Greyhoundbus direkt nach Las Vegas. Die Busse waren gut ausgestattet. Wifi gut und so konnte man durch die einsamen Wuesten fahren und direkt Bilder online posten und mit Freunden chatten.

Man muss sagen, dass die Leute in den USA oft ein schwer verständliches Englisch reden oder zu beschäftigt sind, sich zu unterhalten. Eine hübsche Frau verstand ich kaum. Ich glaube der Dialekt um Los Angeles ist besonders hart. Vielleicht war sie auch nur verrückt? Busse sind dort die billigste Möglichkeit sich fortzubewegen und man trifft dort die unteren Schichten. Die herzlichsten Kontakte hatte ich dort mit Latinos und Indern. Auf dem Weg nach Las Vegas dachte ich öfters drüber nach einfach über die Grenze nach Mexiko zu verschwinden. Ich war aber durch das Ticket von New York nach Kingston quasi festgelegt. In Las Vegas kam ich dann um 5 Uhr in der Frühe vor Sonnenaufgang an.

Montag, 20. März 2017

USA

Die Maschine, die mich von Tokyo in die USA brachte, setzte zum Landeanflug an. Die Wolkendecke brach auf und ich konnte die Golden Gate Bridge erkennen. Mich hatte es nach San Francisco verschlagen, eigentlich nur wegen des Liedes von Scott McKenzie. Ich mochte es mein ganzes Leben lang und nun lag San Francisco unter mir.



Ich machte bei meinem ersten Schritt auf amerikanischen Bodens einen Scherz zu meinem Sitznachbarn aus dem Flugzeug. - Eine Anlehnung auf die Worte von Neil Armstrong beim Betreten des Mondes. Was ich an den USA stets gemocht hatte, war dieses "Think Big".

Zum anderen war es ein tolles Gefühl all die Orte mit eigenen Augen zu sehen. Deshalb bin ich Reisender geworden und in den USA gibt es eine Menge großartiger Orte und Situationen. Fange ich gleich an von den Einreisebedingungen zu schreiben, denn diese sind von allen Grenzen, die ich passierte - abgesehen später von der Grenze Guatemala zu Mexico, die skurrilsten.

Einreise in die USA

Schon in Hong Kong wollte man mich nicht in das Flugzeug lassen, weil ich kein Ausreiseticket aus den Staaten hatte. Diskutieren brachte nichts und so war ich genötigt schon vor Beginn der Reise mich festzulegen, wann und wo diese enden würde. Ich schätzte, dass ich vielleicht 6 Wochen brauchen würde mit Bussen die wichtigsten Städte abzuklappern und den frustrierten Schalterangestellten zeigte ich kurz vor Ende des Check-ins mein frisch gebuchtes Ticket von New York nach Kingston/Jamaika.

Beim Wechsel des Fluges in Tokyo wurde ich nochmals durchsucht und ein kleiner Flughafenmitarbeiter mit stechendem Blick schaffte, was bis dahin kein anderer Sicherheitsmitarbeiter eines Flughafens geschafft hatte: Er fand die zwei zusätzlichen Feuerzeuge, die durch eine kleine Ritze in einer Tasche meines Bauchbeutels in das Futter - auch für mich - spurlos verschwunden waren. Ich bedankte mich erst, daß der Mann nun meine Feuerzeuge gefunden hätte. Ich hätte nun 3 Stück. Aber er erklärte mir, dass er mir 2 der 3 Feuerzeuge nun abnehmen werde und ich mir eines aussuchen könnte.

Nach dem Check-in zum Flug in die USA wurde ich nochmals kontrolliert. Man erklärte mir, das würde bei Flügen in die USA bei - zufällig - ausgewählten Passagieren so durchgeführt. Eine Sicherheitsroutine, die auch zu meiner Sicherheit, existiere. Mein Einwand, daß eine Leibesvisitation alleine bei mir im Angesichte der anderen Passagiere ehrverletzend wäre, wurde sicherlich von den freundlichen Japanern sehr ernst genommen. Man wies mich aber auf die besonderen Vorschriften bei Flügen in die USA hin, die letztlich direkt aus den USA kämen.

In San Francisco sollte ich dann also dem Drachen direkt ins Gesicht sehen. Das war erst einmal - nach längerem Warten - ein Mitarbeiter der Migrationsbehörde. Ein freundlicher Mann von den Philippinen. Ich erzählte ihm von meinen Erlebnissen auf den Philippinen und wie freundlich die Menschen dort waren. Er hörte mir eine zeitlang mit träumerischen Blick zu. Er sagte dann, ich wäre ein guter Mensch - Pause - aber in dem Formular was ich ausfüllen mußte, wäre keine Adresse angegeben, wo ich diese Nacht schlafen würde. Und die Hand fuhr nieder mit einem roten Stempel auf das Formular. Ich hätte mich jetzt in den Interviewraum zu begeben, so würden die Richtlinien das sagen.

Der Interviewraum war nicht sehr voll. Nur ein älteres Ehepaar aus Osteuropa saß dort auf 2 der vielen Stühlen, die wie in einer Schulklasse reih an reih in einer Richtung, in die Richtung der zwei Offiziellen des Grenzschutz, die in einer Glasbox saßen, ausgerichtet waren. Die beiden Offiziellen, einer hellhaeutig, die andere dunkler, fixierten mich aufmerksam, als ich den Interviewraum betrat und mich beim Ehepaar höflich erkundigte, warum es auch hier sein musste. Sie hatten dasselbe Problem: keine Adresse angeben zu können, wo sie die erste Nacht verbringen könnten.
Jetzt musste ich mich um die beiden, ungeduldig werdenen Offiziellen kümmern. Der Mann schien ungeduldiger zu sein. Also mußte ich die Konversation auf die ein wenig lächelnde Frau konzentrieren. Ich erkundigte mich höflich, was den los waere. Ich sollte das Papier, auf das der Mann von den Philippinen einen roten Stempel gemacht hatte, abgeben und meinen Pass.

Nach Momenten der aufmerksamen Prüfung, - auf meinem Passbild hatte ich noch nicht meinen Reisebart, hatte aber bei dem Mann von den Philippinen meine Fingerabdrücke zum Abgleich hinterlassen -, sagten sie mir, ich hätte keine Kontaktadresse in den Staaten angegeben. Ich wüßte das, wäre aber ein Reisender, der quer durch die USA reisen wollte, nach New York. Eine Adresse, die Frau schränkte ein, nur eine Adresse. Ich sagte, das würde den beiden doch nicht weiterhelfen: morgen wäre ich woanders, wüßte nicht wo. Das wäre richtig, aber die Vorschriften sähen vor, das dort eine Adresse angegeben werden müßte. Ich erzählte von meiner Einreise in die Philippinen. Dort wollte sie das gleiche, verstanden aber meinen Standpunkt als Individualreisender und beliessen es bei einem Lächeln. Ich erzählte noch wie freundlich die Menschen dort wären und selbst am frühen Morgen schon lächelten. Aber dann vereiste apprupt ihr Lächeln. Der Mann sagte zischelnd etwas, was ich nicht verstand. Sie erklärten mir darauf sehr ernsthaft, daß ich nicht in irgendein Land, sondern in die Vereinigten Staaten von Amerika einreisen wollte. In der folgenden, fast andächtigen Stille, weiste mich ihr Blick an die hinter den Offiziellen an der Wand hängenden, bunte Fahne.

Die Vereinigten Staaten von Amerika wären bestimmt ein großartiges Land mit unbegrenzten Möglichkeiten. Ich bot den beiden Offiziellen mein Handy fuer eine permanente Handypeilung an. Sie wüßten dann immer, wo ich - mit Blick auf die Frau - dann wäre. Das würde den Vereinigten Staaten von Amerika - und mir natürlich - mehr helfen, als eine Adresse für eine Nacht, wo niemand wüßte ob ich dann auch wirklich dort ankommen würde. Ich hatte die Grenze der Geduld wohl nun endgueltig erreicht. Die Frau mit sehr offiziellen Stimme: ich würde mich dort, genau dort, auf einen der Stuehle setzten und nicht eher den Raum verlassen können, bis ich dort in das Formular eine Adresse eingetragen hätte. Jetzt war der Zeitpunkt für eine höfliche Stille meinerseits und ich setzte mich neben das Ehepaar auf einen der Stühle.

Dummerweise aktivierte sich  beim Hinsetzen das Smartphone in meiner Hosentasche und es spielte auf einmal Musik. "Paper Planes" von M.I.A. - ich mochte den Song. Der Text des Liedes war aber jetzt zu diesem Zeitpunkt ein wenig unpassend oder zu cool. Der Typ vom Grenzübergang schien die Musik fuer einen Moment sogar zu mögen, erstarrte dann aber in dem offiziellen Ton, es wäre absolut verboten hier Smartphones zu gebrauchen. Das war für mich natürlich ein Problem. Ich brauchte irgendwie eine WIFI-Verbindung um eine Adresse herauszufinden, um sie in das Formular zu schreiben. Die beiden würden mir sicherlich nicht ihr Smartphone für einen Moment leihen wollen.

Ich fühlte mich in die Zeit mit Längerbleiben und Absolvieren von Strafarbeiten in der Schule zurückversetzt. Die beiden hatten Genugtuung. Ich erkundigte mich bei dem Ehepaar, ob sie eine Adresse wüßten? Wär zu einfach: Nein. Also holte ich erst einmal Luft, entspannte mich. Toilette müßte später möglich sein wegen Menschenrechten und so. - Also entspannen.

Es dauerte auch nicht all zu lange, da hörte ich jemanden meinen Vornamen hinter mir fragend rufen. Es war ein Mitarbeiter der japanischen Airline, mit der ich nach San Francisco geflogen war. Der männliche Offizielle sagte dem Mitarbeiter den Rucksack, der zu lange auf dem Rollband auf mich wartete, einfach irgendwo abzustellen. Das war meine Gelegenheit mich bei dem Japaner für den Flug und die Sorgfalt bezüglich eines Gepäcks zu bedanken. Wir sprachen ein wenig, ich auch über das Problem hier mit der Adresse und der nette und höfliche Mensch zückte sein großes und sehr modernes Smartphone, - aus den Augenwinkeln sah ich, daß die Offiziellen sich ruhig verhielten-, und wir suchten eine Adresse eines Hostels mit netten Namen im Zentrum von San Francisco heraus. Voila! Ich hatte das Formular komplett ausgefüllt.

Ich fragte das Ehepaar, ob es mit mir in das Hostel kommen wollte? Komischerweise verneinten diese, was ich nicht verstand. Dort spielte sich eben ein größeres Drama ab, - sprachen auch nur gebrochen Englisch. Ich ging zum Glaskasten, um mein Visa klar zu machen. Der Typ fragte noch oberflächliche Fragen, die nicht wirklich schwer zu beantworten waren. Dann bekam ich 6 Wochen Visa, passend zu meinem Flug nach Jamaika. Dort zu sitzen und Vorschriften abzuarbeiten muss wirklich deprimierend sein? Aber solche Fragen beantwortet man am besten still leise für sich mit einem Lächeln.

Die Einreise in die USA kann wirklich sehr verwirrend sein. Zum Schreiben dieser Gesichte, schaute ich mir nochmals die Einreisevorschriften im Internet an und las, daß ein Weiterflugticket in die Karibik nicht zur Einreise taugen würde. Das war aber dort dann kein Problem. Oder vielleicht ist es eine gute Strategie den Gesprächsschwerpunkt auf kleine, lösbare Probleme umfangreich in die Länge zu ziehen?

In den USA reisete ich in Reihenfolge folgende Städte ab: San Francisco, Las Vegas, Phoenix, New Orleans, Memphis, Chicago, Indianapolis, Nashville, Washington, Baltimore, New York.

Montag, 6. März 2017

Tauchen in Hong Kong

Das Wasser in Hong Kong ist kälter, die Sicht schlechter und die Strömungen unberechenbarer als in den Philippinen oder Thailand. Im Internet stieß ich auf Berichte von tötlichen Tauchunfällen im Schnitt wohl alle 3 Jahre.

So fand ich zunächst das Tauchen auch sehr defensiv. Mit einer Gruppe von Hong Kong-Chinesen fuhr ich auf einem Boot zu vorgelagerten Inseln. Dort wurde in Inselnähe in geringer Tiefe getaucht. Schwerpunkt war Unterwasserphotographie, genauer gesagt Makrophotographie. Die Unterwasserwelt dort ist natürlich nicht so zahlreich, wie in einem tropischen Riff.

Mein Buddy war der mit den besten Englischkenntnissen und sehr angenehm mit zu unterhalten. Ich fragte ihn nach mehr Tiefenerfahrungen. Zu der Zeit definierte sich die Qualität des Tauchganges für mich durch Tiefe und Tauchdauer, - war fasziniert vom taktischen Tauchen.



So schwommen wir weiter raus, zwischen die Inseln und ließen die Luft aus unseren Westen und sanken hinab. Nach gut 3 Metern war die Sicht Null. Noch nicht einmal das Finometer war zu erkennen. Reflektiv sank ich tiefer  bis ich harten Grund an den Füßen spürte. Da auch der Buddy nicht mehr zu sehen war, rieten die PADI-Richtlinien zum sofortigen Auftauchen. Das war eine gute Idee. Das Wasser war aber so trübe, daß es sehr leicht war oben mit unten zu verwechseln. Also die Luftblasen mit den Händen spüren und der Richtung folgen.

Wieder an der Oberfläche angekommen wartete mein Buddy auf mich. Da unten wäre es risikoreicher? Er lächelte, ich wollte es selber sehen. - Ich mag asiatische Höflichkeit.

Der Tag war entspannend und angenehm. Die Bewohner von Hong Kong sind generell verschlossener als die Leute in Thailand oder den Philippinen. Schafft man aber sie etwas näher kennen zu lernen, öffnen sie leicht ihr Herz und werden im positiven Sinn anhänglich.

Die Preise für das Tauchen entsprechen dem internationalen Niveau. Tauchen ist also - verglichen mit dem allgemeinen Preisniveau - in Hong Kong sehr günstig. Aber natürlich steckt man hier aus Spaß an der Freude sehr viel Geld in Ausrüstung, speziell technische Dinge wie Tauchcomputer oder Kameras. Mein Buddy schickte mir auch meine ersten Unterwasserpotraits von mir.

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Sonntag, 5. März 2017

Hong Kong

Ich erinnere mich noch sehr genau an die Gefühle das erste Mal in Hong Kong zu sein. Als ich mit meinem Rucksack alleine auf den Straßen stand und von den Dimensionen der Bauwerke und der Massen an Menschen wortlos erschlagen in die Skyline starrte, machte eine ältere Dame mit einem Grinsen ein Photo von mir: Streetphotographie.



Ansonsten ist Hong Kong die Stadt der perfekten Anonymität. Im Rotlichtbezirk Mong Kok findet sich leicht ein günstiges Plätzchen. Die Zimmer dort befanden sich preislich zwischen 20 und 30 US$. Das ist für Hong Kong sehr billig. Hong Kong soll eine der teuersten Städte der Welt sein. Englisch wird aber erst ab einem gewissen sozialen Rang gesprochen. Die einfachen Leute sprechen Kantonesisch. Wobei es unhöflich ist, es als Chinesisch zu bezeichnen.



Die billigen Zimmer hatten meist keine Fenster. Dank der modernen und sehr guten Klimaanlagen konnte man problemlos in den Zimmern rauchen. Auf den Straßen jedoch herrschte Rauchverbot, an das sich auch alle hielten. Auf den Boden läßt keiner dort was fallen. Kriminalitätsrate lag bei 0. Man konnte problemlos zu jeder Tages- und Nachtzeit in der Stadt umherlaufen und sogar einkaufen. Man bekommt ein Visa bei Einreise für 3 Monate und hat gleich die Arbeitserlaubnis für diese Zeit, allerdings nur für einen Job. Die U-Bahn ist selbstmordsicher und es spielt in den Wagen klassische Musik. Preislich waren die Tarife sehr günstig. Es gibt viel Positives über Hong Kong zu erzählen. Hat man als Europäer seinen kulturellen Stand als Bezugsrahmen im Kopf, so wird dieser Rahmen in Hong Kong schnell gesprengt. Die Lebensqualität ist dort sehr viel höher als in Europa.



In Hong Kong besuchte ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Disneyland. Für mich war es wie ein weiterer Stadtteil dieser faszinierenden Stadt und es machte Spaß die ansonsten sehr ernsten Kinder dort lachen zu sehen.
Einen Tauchtag legte ich in Hong Kong ebenfalls ein. War toll zusammen mit Leuten aus Hong Kong - man vermeide dort jede Verallgemeinerung mit China - zu tauchen.

Danach wurde ich zum ersten Mal auf meiner Reise richtig krank: eine ordentliche Erkältung. Das Wasser in Hong Kong ist bedeutend kälter als in den Philippinen.
Ich wollte danach in die USA fliegen. Da damals Ebola - eine infektiöse, fieberhafte Erkrankung - als Thema der internationalen Sicherheit gesehen wurde, beschloss ich für eine Woche mehr in Hong Kong zu bleiben und nicht mit Fieber in die USA zu reisen.


Ich suchte ein nettes Zimmer und machte den Vermieter klar, daß ich ein schönes Zimmer mit netter Aussicht für 20 Dollar zum Gesundwerden brauche. Klar in den USA hätten sie mir da nicht folgen können.

Ich hatte jetzt eine Woche nur mit mir. Sah Tag und Nacht durch mein Fenster auf der Straße das Leben dieser Stadt. Am Morgen ging ich immer zu den selben Leuten auf den Markt um Früchte zu kaufen. Bei Erkältung vielleicht eine gute Idee? War auch zuvor täglich bei McDonald's - ist einfach das billigste Essen in dieser Stadt und die asiatische Frühstückssuppe fand ich immer gut ...



Daß ich kein Wort Kantonesisch verstand, störte keinen. Ich hatte genug Ruhe mich auf die Feinheiten des Tages zu konzentrieren. Ich meditierte täglich mehrere Stunden dort, tauchte ein in einen stillen Ozean von Lichtern. Nachts ging ich dann im 7-Eleven einkaufen. Schokolade und schwarzen Tee in einer Plastikflasche. Es gibt keinen Ladenschluß in Hong Kong. Völlig egal, wann Du einkaufen gehst. Ich fühlte mich sehr wohl in Hong Kong.

Als ich mich in der großartigen Stadt von meiner Erkältung erholt und kein Fieber mehr hatte, unternahm ich den Flug in die USA. Ich flog von Hong Kong nach Tokyo und verbrachte 3 Stunden im internationalen Teil des Flughafens dort. Dann ging es mit einer japanischen Airline den langen Weg über den Pazifik. Die Sonne schien permanent. Da ich Jetlag vermindern wollte sprach ich gut 4 Stunden mit einer japanischen Stewardess über allerlei Themen, um mich am Einschlafen zu hindern. In den USA angekommen half mir auch ein Mitarbeiter der Fluggesellschaft mit den übelgelaunten und unfreundlichen Mitarbeitern der örtlichen Migrationsbehörde fertig zu werden. Dazu in dem Beitrag über die USA mehr. Insgesamt bekam ich auf diesen Flug die Erkenntnis ein sehr bedeutendes Land in Asien vergessen zu haben zu besuchen: Japan!

Montag, 27. Februar 2017

Tauchen in den Philippinen

In den Philippinen entdeckte ich meine Liebe zum Tauchen. Die Tauchmöglichkeiten sind dort recht zahlreich und es ist günstig. In Puerto Galera zahlte ich z.B. 60$ für 2 Tauchgänge am Tag. -Wir unternahmen aber 3 Tauchgänge. In den Philippinen lohnt es sich immer über die Preise zu verhandeln. Mir wurde auch bewußt wie einzigartig jeder Tauchgang sein kann. Da die Situation an Land trostlos sein kann, entschloß ich mich dort, bevorzugt Tauchplätze aufzusuchen.

Tauchen in San Fernando

San Fernando war der erste dieser Tauchorte. Er befindet sich an der Westküste von Luzon, der nördlichen großen Hauptinsel von den Philippinen. Ich hatte das Gefühl ich wäre der erste Tourist seit langem, der dort nach ein paar Tauchgängen fragte. Der Divingpoint war am Strand direkt hinter dem Flugplatz.



Preislich war das alles sehr in Ordnung und ich schlief eine Nacht im benachbarten Hotel. Am nächsten Tag ging es los. 2 Männer ruderten einen typischen philippinischen Trimaran. Es war sehr eng. Am Riff angelangt sprangen ich und der Guide ins Wasser und tauchten.

Es war sehr schön. Ich machte meine erste Höhlentaucherfahrung. Auf Facebook sollte ich später schreiben: durch eine enge, lange Höhle zu tauchen und wieder in das Blau des Ozeans zu gelangen ist wie durch eine Vagina zu gleiten und neu geboren zu werden. Den Tag über war ich sehr positiv und ich fand das hatte richtig Spaß gemacht.

Tauchen in Puerto Galera

Puerto Galera liegt auf der Insel Mindoro südlich von Luzon. Über Batangas City kann man leicht mit einer Fähre erreichen. Vorsicht: im Hafenbereich lauern jede Menge Scammer, die am liebsten einen Tripp mit einem Privatboot verkaufen würden. Ebenso Diebstähle werden berichtet. Kommt man erst später am Abend an, dann fahren keine Fähren mehr, nur noch Privatboote, die zu Schlepperpreisen arbeiten. Dann Hotel nehmen und früh am Morgen ein reguläres Ticket kaufen.



Die Fahrt nach Puerto Galera ist sehr angenehm und die Atmosphäre wechselt in eine Inselidylle: hügelige Inseln, Palmen und die Einwohner sind relaxter als die zwielichtigen Gestalten vom Hafen in Batangas.

Es gibt mehrere Anbieter von Tauchgängen. Preisverhandlungen können erhebliche Preisnachlässe bringen. Am Ende entschied ich mich für den Badladz-Dive-Resort.

Dort gab es gutes Essen, 3 mal täglich Tauchgänge und zum ersten Mal auf den Philippinen traf ich auf nette Reisende und Tauchfreunde und die Destination lud zum Verweilen ein.
Jeder Tauchgang war anders und es machte Spaß und ich verbesserte meine Tauchtechnik: weniger Gewicht, längere Tauchzeiten.



Ich fühlte mich glücklich an den Tagen, an denen ich tauchte. 2 Bier danach und all die Mühen davor machen auf einmal Sinn.

Schnorcheln in Donsol

In Donsol ist das Wasser wegen dem Plankton nicht so klar. Walhaie fühlen sich aber dort sehr wohl und haben für eine regelrechte Touristenindustrie gesorgt. Täglich fahren Boote heraus um Gruppen von Touristen zu den Walhaien zu bringen. Sieht der Bootsführer einen großen Schatten unter Wasser stoppt er die Maschinen und die Touristen springen ins Wasser um zu dem Schatten zu schwimmen. Dort angelangt taucht man vielleicht 2 Meter tief und kann so die sehr großen Fische unter Wasser bestaunen. Das übt man einige Mal, dann ist das recht einfach und man verliert die Angst vor den ca 10 Meter großen Tieren. Ich sah an dem Tag 11 Walhaie, was laut Bootsführer eine große Anzahl war. Schnorchelausrüstung kann man sich in den Hotels dort leihen.

Mantatauchen in San Miguel

Neben dem Walhaischnorcheln legte ich in Donsol einen  Flaschentauchgang ein. Mit einem Boot ging es zur Insel San Miguel. Dort konnte man in 30 Metern Tiefe Mantas begegnen. Das Wasser war sehr strömungsstark, so daß man sich mit Haken am Meeresgrund festhaken mußte. Als plötzlich ein Manta langsam und still direkt neben mir vorbei schwomm, war das schon ein einzigartiges Gefühl: Bewunderung, Respekt.




Dienstag, 21. Februar 2017

Philippinen

Die Philippinen sind ein Inselstaat im Pazifik. Insgesamt bestehen sie aus 7107 Inseln, - mehr oder minder groß. Die größte Insel ist Luzon. Auf ihr liegt auch die Hauptstadt Manila.

Erstes Bild am Flugplatz. Im Hintergrund die Flagge der Philippinen.

Ich wußte nicht viel über die Philippinen oder Manila. So ging ich arglos zu Fuß - wenn Du eine Taxifahrt vermeiden kannst, so hast Du mehr Geld länger zu reisen - vom Ninoy Aquino Flugplatz nach Malate, einem Stadtteil im Zentrum Manilas.

Zu Fuß zu gehen schien auch aus dem Grund sinnvoller zu sein, weil alles auf den Straßen, PKWs, Busse und Taxis im Stau stillstand, - zu Fuß war man deutlich schneller.

Ich war es von Thailand aus gewöhnt, mir keine Gedanken über Sicherheitsaspekte zu machen. Das sollte sich von nun an ändern.


In schmalen Gässlein versuchte eine Gruppe Kinder mir Dinge zu entwenden. - Aber ohne Erfolg. Auch lernt man in Manila eine Sorte Mensch kennen, die man im Englischen als "Scammer" bezeichnet.

Sie haben eine verbindlich nette Art und wollen einem meist mit einer Tochter bekannt machen. Alles seriös, - man ist ja schliesslich christlich.

Ein freundliches Kinderlachen einer 3-Jährigen brachte ihren Vater dazu mich zu fragen, ob ich mehr wollte? Daß die Philippinen ein El Dorado männlichen Sextourismus' und ein Paradies für Kinderschänder sind, die die Armut der Menschen füe ihre Zwecke ausnutzen, wurde mir schnell klar.

Ich war ziemlich genervt als ich endlich einen Platz zum Schlafen gefunden hatte. Backpacking auf den Philippinen, - wird so nicht häufig gemacht. Je nachdem wo man ist trifft man Sextouristen, normale Touristen auf kleineren Sonneninseln oder häufig auch gar keine Touristen.

So brauchte ich am nächsten Tag auch gut 6 Stunden um herauszufinden, daß es zwar eine Eisenbahn gab, diese aber kein gut ausgebautes Netz besaß.

Daß Englisch in den Philippinen Amtssprache ist, ist richtig. Aber zu denken, man könne sich also gut in Englisch unterhalten ist absolut falsch. Häufig war die verbale Kommunikation ähnlich unmöglich wie in Thailand. - Insgesamt gibt es 171 Sprachen auf den Philippinen. Und die meisten Einheimischen sprechen gerade eine oder zwei davon.

Essen in den Philippinen

Das Küche der Philippinen gehört wahrscheinlich zu den schlechtesten der Welt. Während in Thailand frische Zutaten völlig normal waren kann es hier passieren pürierte Tomaten aus einer Dose als Tomatensuppe zu bekommen. Viele westliche Emigranten leiden unter dem Essen dort. Als ehemalige US-Kolonie stehen Burgerrestaurants da sehr hoch im Kurs. Dort aß ich dann auch oft. Kinder betteln nach Geld für Burger, die mehrere Dollar kosten. Die sehr viel billigere Kokosnuß, die dort überall wachsen müßte, geriet in Vergessenheit. Der American Way of Life hat in diesem Land tiefe Spuren hinterlassen und ich bezeichne mich seitdem als amerikakritisch. 

In Manila werden die meisten Traveler nicht bleiben wollen. Auf die billigste Weise verläßt man die Stadt mit einem Bus. Später sollte ich 3x in die Stadt zurückkommen. Alle Busse fahren über Manila. Auf den Philippinen entwickelte ich meine Philosophie des sicheren Reisens. Am Ende fühlte ich mich so sogar in Manila fast heimisch.

Nahe lag sich erst die Insel Luzon per Bus anzuschauen. Die wirtschaftliche Situation dort ist aber sehr schlecht und - außer Sextouristen - kaum geldbringende Urlauber zu finden. Ich besuchte Baguio City. Fand es dort aber langweilig und reiste sofort weiter nach San Fernando an die Westküste. Die Küste reizt mich mehr.

In San Fernando tauchte ich und hielt mich länger auf. Erinnere noch das alte, baufällige Hotel im kolonialen Stil. In den Philippinen schien die Zeit irgendwie in den 80'er Jahren des letzten Jahrhundert stehen geblieben zu sein.

Dann schaute ich mir Angeles City, das mehr oder minder pulsierende Herz der Rotlichtindustrie in den Philippinen, an. Ich entschied mich dann für eine Woche tauchen zu gehen. Dort dachte ich zum ersten Mal, geh einfach tauchen, wenn Dich die Situation an Land runterzieht. - Unter Wasser herrscht Harmonie.


Ein guter Tauchort ist Puerto Galera auf der Insel Mindoro. Also über Manila Richtung Süden nach Batangas City und dann eine Fähre nach Puerto Galera. Dort war es sehr schön: Tauchurlaub.


Weiter ging es zurück über Manila und dann nach Osten, nach Legapzi City. Dort sah ich den Vulkan Mayon  - es war Ostern und viele christliche Prozessionen.

Von dort nach Donsol, schnorcheln mit den Walhaien. Ich schaute an diesem Tag 11 Walhaien in ihr großes Bullauge.  - Walhaie hab ich eine Menge in meinem Leben gesehen.


Dann weiter nach Bulan - Fähre nach Masbate, die nächste Insel weiter südlich. Dort für einige Tage eine einsame Hütte am Strand bezogen und die letzten Tage bis zum Weiterflug meditativ verstreichen lassen. Dann zurück wieder nach Manila und ich flog nach Hong Kong.


Donnerstag, 16. Februar 2017

Streetfood in Thailand

In Thailand wird überall auf den Strassen Essen verkauft. Das ist günstig und in Thailand ist es auch gut.

Man kann es ketzerisch so auf den Punkt bringen: in Thailand schmeckt es auf den Strassen, bei den alten Frauen, genauso wie in einem teuren Restaurant mit attraktiver Bedienung, gutem Platz und Sicht auf einen Fluss. Es schmeckt alles gleich, aber eben qualitativ sehr gutes Essen.

5 kleine Mahlzeiten am Tag sind dort normal. Das scharfe Essen ist auch ideal, finde ich, wegen der Hitze. Man ißt nicht so viel wie im kalten Deutschland und anders als dort sind dicke Menschen absolut die Ausnahme, - sofern es sich nicht um einen Farang handelt. Ich persönlich bin jetzt kein Fan von Thai-Essen geworden oder will das nachkochen. Ich konnte Hühnchen mit Reis bestellen oder auf irgendwas mit dem Finger zeigen.

Lustige Sachen sind Insekten, geröstete Kaefer, die man im Nordosten kaufen kann. Die schmecken nach Chips, sind aber wesentlich gesünder, - Proteinquelle!

Was essen? In Thailand sind die Menükarten häufig nur in Thai.

Den letzten Abend in Chain Mai bestellte ich in einem teuren Restaurant das teuerste. Natürlich verstand ich nichts. Die Bedienung fragte gleich 2 mal nach, ob ich das wirklich haben wollte, sagte ich einfach: "ja natuerlich!" - Ich denke als Backpacker muss man Allesesser sein. Das war dann wohl Hund, den ich da essen konnte. Schmeckte ein wenig herb und muss man wirklich nicht probiert haben.

In Südostasien sind Hunde aber eine Spezialität. Der Hund wird gesellschaftlich auch anders wahrgenommen, als in Deutschland. Das schlimmste, was einem beim Wandern passsieren kann, ist von einem Rudel Hunde umstellt zu werden. Das sind wirkliche Bestien, wild und gefährlich. Am schlimmsten sollen die Strassenhunde in Vietnam sein. Der Hund ist dort sehr viel wilder als in Europa und landet auch gerne im Kochtopf.

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